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April

Zeitzeugin Henriette Kretz spricht in der Justus-von-Liebig-Schule über den Holocaust

Am 02.04.2019 berichtete Henriette Kretz den Schülerinnen und Schülern der Klassen 12 des Beruflichen Gymnasiums der Justus-von-Liebig-Schule von ihrem Leben während des Nationalsozialismus.
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Sie wurde 1934 in Polen geboren und lebt heute in Antwerpen. Als eine der letzten Zeitzeugen spricht sie so oft sie kann über ihre Erlebnisse. Eindringlich schilderte sie ihr Leben zur Zeit des Nationalsozialismus, das von Anfeindungen, Gewalt und Todesangst geprägt war – aber auch von hilfsbereiten Menschen, die ihr eigenes Leben riskierten, als sie Henriette Kretz‘ Familie halfen.
Kretz wurde als Kind jüdischer Eltern in Polen geboren. Bis zum Sommer 1939 konnte sie ihre Kindheit unbeschwert genießen. Als im Herbst 1939 die Nationalsozialisten Polen überfielen, floh sie mit ihren Eltern vor den heranrückenden Deutschen. Im polnischen Sambor, das noch nicht von den Deutschen besetzt war, erhielt ihr Vater, der Arzt war, eine Anstellung als Direktor eines Sanatoriums.
Zwei Jahre später wurden sie und ihre Eltern aus ihrer Wohnung vertrieben und in ein Ghetto gebracht. Henriette Kretz‘ wurde von ihren Eltern getrennt. Sie fand Zuflucht bei einer befreundeten polnischen Familie. Als die Deutschen sie dort entdeckten, wurde sie ins Gefängnis gebracht. Mithilfe von Bestechung gelang es ihrem Vater, ihre Freilassung zu erwirken. Die Familie Kretz konnte aus dem Ghetto entkommen und wurde zunächst einen Winter lang in einem Kohlenkeller versteckt und dann auf einem Dachboden, was Henriette Kretz schon als paradiesisch empfand.
Als die Deutschen auf dem Rückzug waren, entdeckten zwei Soldaten die Familie. Ihr Vater rief „Lauf!“ und sie lief los. Dann hörte sie einen Schuss und ihre Mutter schrie; als sie dann einen weiteren Schuss hörte, wusste sie: „Ich bin allein.“
Henriette Kretz bat eine ehemalige Patientin ihres Vaters, die Nonne Zelina: „Willst du meine Mutter sein?“. Schwester Zelina kümmerte sich seitdem in einem Waisenhaus um Henriette, elf jüdische und drei Sinti-und-Roma-Kinder.
Nach dem Kriegsende fand Kretz zufällig ihren einzigen überlebenden Verwandten, einen Onkel, der sie adoptierte.
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Besonders beeindruckt waren die Zuhörer davon, dass Henriette Kretz trotz der unendlichen Gräueltaten, die sie erleiden musste, keinen Hass empfindet und menschenfreundlich geblieben ist. Ihre Erinnerungen hat sie in dem Buch „Willst Du meine Mutter sein“ niedergeschrieben.
Die Schülerinnen und Schüler fanden nicht nur ihre Ausführungen zum Holocaust, sondern auch die zahlreichen Gegenwartsbezüge z. B. zu Ausgrenzung und Hass, zum IS und zu Mobbing in der Schule sowie ihre Appelle für einen respektvollen Umgang miteinander beeindruckend. Vor allem bewundern sie Henriette Kretz für ihr unermüdliches Engagement für Aufklärung.

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