19
August

“Niedersachsens Ausbildungsbetrieb 2012” Hölscher lädt Fachstufen-Schüler zur Stallbesichtigung

Neuer 1.100-er Kammstall mit Flächenfilter, Flüssigfütterung und Blockheizkraftwerk

 

Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Hölscher aus Bakum im Landkreis Vechta wurde im vergangenen Jahr zum niedersächsischen Ausbildungsbetrieb des Jahres 2012 gewählt. Und so war es für Franz und seinen Sohn Andreas eine Ehrensache, die Schülerinnen und Schüler der Fachstufe 2 sowie ihre Lehrer Dr. Kathrin Fleming, Josef Batke und Detlef Breuer am vergangenen Freitagnachmittag (16.08.13) auf ihren Betrieb einzuladen.

 

Dort gab es nämlich einen neuen 1.100-er Kammstall mit Flächenfilter, Flüssigfütterung und Blockheizkraftwerk zu besichtigen, der in Kürze in Betrieb gehen soll.

Peter Reinking, Franz Hölscher

 

Das Güllesystem wird im Wechselstauverfahren mit einem zentralen Absaugpunkt betrieben. Bei der Aufstallung diskutierten die Schülerinnen und Schüler intensiv über die Gangbreite von einem Meter, die zwar mehr Platz beansprucht, jedoch auf der anderen Seite ein deutlich schnelleres Verladen ermöglicht. Und der Handel honoriere es entsprechend, so Franz Hölscher, wenn ein Zug Schweine in anderthalb anstatt in vier Stunden geladen werden könne. Beim Fütterungssystem setzen Hölscher auf eine Sensor-Flüssigfütterung mit Längstrog aus Edelstahl anstatt der in Weser-Ems weit verbreiteten Trockenfütterung. Auch dieses Thema bot den Schülerinnen und Schülern ausreichend Diskussionsstoff.

 

Die Landwirtschaftsschüler zeigten auch großes Interesse am Heizungssystem, das als Twin-Rohr anstatt der eigentlich üblichen Gaskanonen ausgeführt wurde. Betrieben wird das Heizungssystem mittels Blockheizkraftwerk. Beim Lüftungssystem erfolgt die Zuluft über Diaphragma-Klappen über dem Gang, die Abluft wird in den Buchten unter der Decke abgesaugt und zentral zur Abluftreinigung geführt. Neu war für die Justus-von-Liebig-Schüler auch, das im Stall wöchentlich eine Prüfung der Notfall-Belüftung durchgeführt wird. Dies stellt laut Franz Hölscher sicher, dass sich im Ernstfall auch tatsächliche alle Klappen öffnen. Im Laufe der Jahre würden, wenn keine regelmäßige Überprüfung stattfinde, die Notlüftungen festrosten und dann hätte man im Ernstfall ein echtes Problem.

 

Das Abluftreinigungssystem ist als Flächenfilter ausgelegt, der u.a. den Vorteil bietet, dass keine Säuren eingesetzt werden müssen. Allerdings benötigt der Flächenfilter für einen 1.100-er Maststall eine zusätzliche Außenfläche von gut 350 m2. Und dies ist nicht auf jedem landwirtschaftlichen Betrieb ohne weiteres möglich.

 

Wenn das Bauvorhaben abgeschlossen sein wird, so werden sich die Baukosten auf einen Betrag von über € 450 Euro netto je Mastplatz belaufen. Das Investitionsvolumen beläuft sich bei 1.100 Mastschweineplätzen somit auf eine Summe von über € 500.000.

Den Abschluß bildete eine Diskussion über die aktuellen politischen Rahmenbedingungen, die einen Stallbau erschweren. Franz Hölscher konnte den Schülerinnen und Schüler wertvolle Praxistipps mit auf den Weg geben, wie man trotzdem in einem schwierigen Umfeld als Landwirt erfolgreich sein kann. Der Fachstufenschüler Peter Reinking bedankte sich abschließend im Namen aller Schülerinnen und Schüler bei Franz und Andreas Hölscher für die detaillierten Einblicke in ihren Betrieb.

 

Die Familie Hölscher bewirtschaftet einen für die Region Südoldenburg typischen Veredlungsbetrieb. Der Haupterwerbsbetrieb verfügt über rund 100 ha Fläche und mit dem neuen Stall 2.600 Mastschweineplätzen. Zusätzlich hält Franz Hölscher in Kooperation mit einem weiteren Landwirt 680 Zuchtsauen.